27.02.06Es gibt kein Web 2.0 Design

Web 2.0 hat nichts mit einer bestimmten Designrichtung zu tun. Auch wenn viele Websites, die solche Dienste anbieten, große Ähnlichkeiten in bestimmten Designelementen aufweisen. Da kommen neue Webtechnologien und derzeit aktuelle Designtrends zufällig zusammen. Mehr steckt dahinter nicht. Abgesehen davon, kann ich mit Web 2.0 bzw. einer bestimmten Versionierung nicht viel anfangen. Vielleicht macht das Sinn, möchte man historisch das Ganze etwas abgrenzen, wenn die Geschichte des Internets erzählt werden soll. Aber im Endeffekt sagt das noch nicht viel über einen Dienst oder eine Anwendung aus. Was immer zählt sind sinnvolle Anwendungsgebiete, Funktionalität und ab und zu etwas Innovation.

Wer dennoch befürchtet, etwas zu verpassen, kann sich in einer Minute schnell eine Web 2.0 Site zusammenklicken.

Bookmarks

Diese Icons verzweigen auf soziale Netzwerke bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • del.icio.us
  • DotNetKicks
  • Furl
  • MisterWong
  • NewsVine
  • Spurl
  • Technorati

9 Antworten

  1. Birgit am Feb 27, 2006 | Reply

    hm, diese Web2.0-Verarsche-Seiten schießen ja gerade aus dem Boden wie die Krokusse! Ob uns da ein ähnlicher Hype bevorsteht wie 1997, mit zunächst einem großen Boom und anschließend das noch größere Tief?
    “Web 2.0″ ist wohl schon jetzt das “Unwort des Jahres 2006″, wenn man sich auf das Online-Geschehen beschränkt…

  2. molily am Feb 27, 2006 | Reply

    Natürlich gibt es das Web 2.0 nicht, Web 2.0 ist ein künstlicher Begriff, um gewisse individuelle Einzelentwicklungen mit einem umfassenden Konzept beschreiben zu können. In der Geschichtswissenschaft wird tatsächlich mit solchen Idealtypen gearbeitet. Dein Hinweis auf die historische Abgrenzung ist daher sehr passend.

    Ich denke schon, dass es ein typisches Web-2.0-Design gibt. Damit meine ich erst einmal nicht das konkrete Grafik-/Screendesign, sondern die grundlegende Philosophie der Site. Siehe etwa eHub-Interviews-Resumée. Wenn man diese Gemeinsamkeiten feststellt, so finde ich es nicht abwegig, dass auch als Folge auf der Ebene der Interface-Gestaltung Ähnlichkeiten zu finden sind. Natürlich ist das auch ein Trend - aber dahinter stecken zumindest zum Teil die neuen Paradigmen.

  3. Michael am Feb 27, 2006 | Reply

    Das “historische Abgrenzen” trifft es IMHO wirklich gut. Wobei man aber erst dann abgrenzen kann, wenn die Grenzen feststehen, also erst in der Zukunft kann man rückwirkend die Grenze setzen und feststellen, wo in etwa der Übergang war.

    Ein Beispiel ist esnips.com. Es bietet einen typischen Webservice an, wie sie die letzten Wochen/Monate aus dem Boden geschossen sind, trotzdem könnte die Webseite selbst auch im Jahr 2000 erstellt worden sein. Typische “Web 2.0″-Elemente wie Ajax verwendet sie (soweit ich bei meinem Test vor 4 Wochen gesehen habe) nicht. Trotzdem eine gut bedienbare Seite, und der Dienst ist nicht schlecht, wer es halt braucht…

    Web 2.0 Design: was zeichnet es aus? Runde Ecken? Moderne Farben? Überdachter Aufbau? etc. etc. Heute sind vielleicht gerade runde Ecken im Trend, in 2 Jahren vielleicht wieder zurück zur Ecke, weil jeder runde Ecken verwendet. Farben ändern sich ja auch ständig. usw. Daher gibt es imho keinen Web2.0 Trend.

    Einen guten Trend den ich feststelle ist der, dass viele Seiten sich nach und nach mehr bemühen, besser designed zu sein: stimmiger, benutzerfreundlicher, leserfreundlicher, etc. Dies im Vergleich zu noch vor einigen Monaten/Jahren. Hat IMHO nichts mit Web2.0 zu tun, sondern mit Weiterentwicklung ganz allgemein, normaler Hang zur Verbesserung also. Viele Seiten werden einfach besser. Z.B. früher wollten viele (Firmen und Privatleute) einfach nur online sein, egal wie hässlich die Seite mit Frontpage zusammengezimmert wurde. Heute wird allgemein mehr auf typische Design-Dinge gelegt, einfach online sein reicht nicht mehr. Die Zielgruppe wird ja auch von Tag zu Tag größer, da immer mehr Leute Internetzugang haben. Dadurch auch mehr Wettbewerb etc.

    Also ich sehe da eine völlig normale Entwicklung, wie sie es schon immer gab, eine neue Epoche sehe ich hier nicht, sondern nur Trends, Vorreiter und Nachahmer (was nicht negativ ist!), also so wie es schon immer war.

  4. Stefan am Feb 28, 2006 | Reply

    Web 2.0 selbst ist ein reiner Marketingbegriff, von irgendwelchen Analysten und Theoretikern in Hinterzimmern ausgedacht, die mit dem Medium selber wenig zu tun haben. Aber so verkaufen sich ja die Aktien besser. Und man hat wieder ein Buzzword (nach Sliding-Menus und Animated Flash-Site), mit dem man den Kunden zum sabbern bringen kann.

    Der neue Boom wird (laut diverser Fachmagazine) nicht so schnell wieder einknicken, wie 2000, da sich jetzt nur noch Dienste mit nützlichen Funktionen durchsetzen können, die sich am Ende auch finanziell rechnen.

    Das typische der „neuen“ Seiten?

    brauchbare Idee - unnütze Funktionen + leichte Bedienung

    Also übersichtliche Seiten, wo zuerst Funktion und Content zählt und das Design dem ganzen folgt.

    „Form follows function“

    Und das ist das einzige, was zählt. Guter Content und einfache Funktionen.

    Nur weil ich ein tolles AJAX-Menü bauen kann sollte ich es deswegen auch gleich tun?

    Nö.

    Ist Ma.gnolia nun der neue Hype nach del.icio.us?

    Nö.

    Zu viele Funktionen, zu langsam, stylisches Design allein reicht nicht. Ich bleibe bei del.icio.us, es leistet einfach seinen Dienst.

  5. Heiko am Feb 28, 2006 | Reply

    Bin absolut deiner Meinung Björn. Auch für mich gibt es kein Web 2.0 Design. Selbst die Techniken dieser “Phase”, sind alles andere als neu. Warum also überhaupt eine aktuellere Versionierung ( 2.0 )? Ich denke dieser Hype wird so lange gehen, bis die User selbst keinen Überblick über die zahlreichen Services haben und dann anfangen werden, die für sie wirklich nützlichen Anwendungen herauszufiltern. Wirklich kreativ sind auch die wenigsten Designs, da viele wie bereits erwähnt die selben Elemente und Stilmittel benutzen.

  6. reieRMeister am Feb 28, 2006 | Reply

    Hmmmm … irgendwie hatte ich so etwas nicht im Sinn, als ich 2003 das hier ins Netz stellte.

    Kann ich irgendjemandem dafür auf die Finger hauen, dass er/sie so dreist den Titel geklaut und zu Web 2.0 zerhackstückt hat?

  7. Stefan am Feb 28, 2006 | Reply

    Und wer hat’s errfunden…?
    Bei Andreas Weigend, Ph. D., gibt’s übrigens sehr interessante Videos (unter anderem über die Entwicklung des Web).
    Da fällt sogar der Begriff Web3.0…

  8. Björn am Mrz 2, 2006 | Reply

    Danke für die angeregte Diskussion und die Links zum Thema.

  9. Siegfried am Mrz 9, 2006 | Reply

    Hi,

    web 2.0 und Design - nun ja, das ist wohl tatsächlich eher eine continuierliche Weiterentwicklung. Obwohl diese Weiterentwicklung derzeit zum Glück ironischerweise “back to the roots” heißt (semantic markup und html so verwenden, wie es ursprünglich mal gedacht war). Also Konsequenz lässt sich dazu der Trend zu “fluid designs” ausmachen. Desweiteren gibt es einen gewissen Trend zu Mehrspaltenlayout. Diese Designtendenzen rechtfertigen allerdings nicht den Begriff web 2.0. Dieser Begriff hat eher soziale als designtechnische Aspekte. Die intensive gegenseitige Verlinkung und Kommentiermöglichkeit bei Blogs, das ist ein typischer web 2.0 Aspekt. Hatte übrigens seine Vorläufer in Webringen und Foren.

Mitreden? Dann schreibe einen Kommentar!

* = Pfichtfelder

Markup Webdesign Blog

Markup ist das Blog von Björn Seibert. Mehr
Impressum | Kontakt

Feed abonnieren