19.03.06Vom Mythos der 100%igen Schriftgröße
Jens Grochtdreis greift nochmals eine hitzige Diskussion aus Manuelas Blog auf.
Eigentlich wollte ich vor Ort einen eigenen Kommentar abgeben. Dieser wurde dann doch etwas ausführlicher und ist deshalb hier zu lesen.
Es geht mal wieder um das Thema Schriftgrößen und die Einflussmöglichkeiten der Nutzer. Vehement fordert “Efchen” die Angabe von 100% Schriftgröße in den Stylesheets. Rein theoretisch erstmal ein guter Gedanke. Aber schlichtweg nicht praktikabel. Dass es darüber hinaus bewährte gute Methoden gibt, daran sollte kein Zweifel bestehen. Schließlich wurde u.a. noch wie folgt kommentiert:
Ich verkaufe IT-Produkte/PCs und das zu min. 75% an Endnutzer. Diese wunderbaren Einstellungsmöglichkeiten, auf denen Du rum reitest, sind min. 80% aller „Normalnutzer“ überhaupt nicht bekannt!, Die schalten einen PC eine, rufen Ihren Browser auf und das war es dann schon.
Gut dass dieser Punkt angesprochen wurde. Und genau deswegen hat Manuela Recht. Auch deshalb schreiben wir in unserem Buch von flexiblen Schriftgrößen als Ausgangspunkt guter Lesbarkeit. Die verwendete Ausgangsschriftgröße sollte demnach nicht zu groß und nicht zu klein sein. Dabei ist natürlich vieles vor allem auch abhängig von der bzw. den Zielgruppe(n). 100% Schriftgröße treffen den Punkt definitiv nicht. Ein Blick in die Praxis sollte die unnötige Dikussion von vorn herein erübrigen.
Außerdem geht es im Web, wenn auch meist nicht vordergründig um gutes Design. Deshalb kann es schon nicht sein, bei allen Sites 100% zu verwenden. Es ist ganz einfach meistens zu groß, wird darüber hinaus von vielen dann auch als hässlich empfunden, gerade wenn sie nichts von den Einstellungsmöglichkeiten des Browsers wissen. Ein Anhaltspunkt kann dann oft nur das subjektive Emfinden des Designers selbst sein oder der Personen die er zusätzlich testen lässt. Ist die Schrift so groß, dass man unter normalen Umständen sehr gut lesen kann, ist auch noch etwas Luft, für etwas eingeschränkte Sehfähigkeiten. Normale Umstände sind entweder Menschen, die keine Sehhilfe benötigen oder Brillen und Kontaktlinsenträger. Sie sehen praktisch gleich gut. Ohne oder entsprechend mit Sehhilfe.
Eins darf man schon gar nicht vergessen: Die praktische Relevanz. Wer im Team zusammen mit Designern, Usability Experten und Webdesignern arbeitet weiß, dass es oft nicht so einfach ist. Der Weg zum Erfolg sind gute Kompromisse. Dann werden die “Produkte” noch getestet und die Zielgruppe redet schließlich auch noch ein gewichtiges Wörtchen mit. Zur Zielgruppe gehören meist nicht User, die Standardschriftgrößen des Browsers verstellen und schon keine Webdesigner, Accessibilty- und Usability Experten. Hier muss man möglichst die Bedürfnisse möglichst vieler Nutzer des Angebots berücksichtigen.
Manuela zeichnet sich durch eine saubere und gut durchdachte Arbeitsweise aus. Darüber hinaus ist sie, wie es auch sein sollte, lernbereit und neugierig. Der Erfolg gibt ihr Recht. Ende der Diskussion.
Zum Thema Schriftgrößen gibt es auch hier noch weitere Infos: Schriftgrößen, SCHRIFTGRÖSSEN, schriftgrößen mit zwei weiteren internen Links zum Thema.







