02.06.06Zugang zu Webstandards - Teil 1

Viele Webdesigner wissen, welche Rolle die standardkonforme Entwicklung für die Qualität von Websites spielt - z.B. die Webkrauts. Unter anderem stehen Webstandards für schlanken und gut zu wartenden Quellcode und bilden zudem eine gute Basis für Browser übergreifende Funktion und sparsamen Ressourceneinsatz. Außerdem können sie eine Grundlage für möglichst barrierefreie Websites legen. Doch besteht zwischen Webstandards und Barrierefreiheit kein wirklich direkter Zusammenhang. Hier spielen verschiedene weitere Faktoren eine Rolle. Standardkonform ist nicht gleich barrierefrei, aber schon ein erster Ansatz. Ein entscheidender zudem. Denn meiner Meinung nach, ist die Entwicklung möglichst barrierearmer Websites, nicht ohne ein bestimmtes Qualitätsbewusstsein im Bezug auf den Quelltext einer Website machbar.

Die oft so genannten Entscheider haben mittlerweile auch mitbekommen, dass Webstandards und vor allem Barrierefreiheit ein wichtiges Ziel sind, wenn es darum geht, erfolgreiche Websites zu betreiben. Die Frage ist nur: Wie findet man den Einstieg in die recht komplexe Thematik, wenn semantischer Code und barrierearme Gestaltung von Webinhalten bisher keine Rolle gespielt haben? Was für den einzelnen Webdesigner organisatorisch relativ unkompliziert abläuft - Bücher oder Tutorials lesen und probieren -, gestaltet sich im multipersonalen Umfeld in einem Unternehmen etwas schwieriger. Deshalb müssen Entscheider, die über die Budgets verfügen, oft zunächst davon überzeugt werden, warum man standardkonform entwickelt und welche Vorteile sich daraus ergeben.

Diese Serie soll aufzeigen, wie der Kurswechsel im Unternehmen gelingen kann. Gewinner am Ende dieses, oft auch holprigen, Wegs sind die Unternehmenswebsites, deren Besucher und schließlich das Unternehmen.

Webstandards und semantischer Quellcode

Der Begriff Webstandards ist sehr abstrakt und lässt sich nicht in wenigen Worten fassen. Auf der einen Seite hat man die offiziellen Empfehlungen des W3C wie etwa für XHTML 1 oder CSS 2.1. Auf der anderen Seite definieren diese reinen Spezifikationen nur selten, wie man die Standards am geschicktesten einsetzt. Wirklich standardkonformer (X)HTML-Code ist die Kombination aus validem (X)HTML einerseits und seinem sinnvollen Einsatz andererseits. Gerade der zweite Punkt, die Semantik des Quellcodes, erfordert einiges an Erfahrung im Umgang mit den zur Verfügung stehenden Elementen in (X)HTML und Nachdenken über ihren Verwendungszweck. Was damit gemeint ist, sollen einige Texte verdeutlichen:

Diese Liste enthält eine Reihe von wichtigen Informationen darüber, warum und wie man standardkonformen Code einsetzen sollte, um qualitativ bessere Websites produzieren zu können. Es sind dazu eine Reihe weiterer Texte veröffentlicht worden. So z.B. im Rahmen des Webkrauts Adventskalender 2005. Wir Webdesigner und -entwickler, die sich bereits jahrelang mit der Thematik befassen, können damit gut umgehen. Diese Texte haben allerdings - vor allem auf Grund ihrer Ausführlichkeit - eines gemeinsam. Sie sind teilweise noch zu technisch und nicht wirklich greifbar. Sie sind in erster Linie für Webdesigner geschrieben, die vor allem das nötige technische Know-How mitbringen. Sie eignen sich in dieser Form vor allem dann nicht, wenn es darum geht, die Vorgesetzten oder Projektleiter von der guten Sache zu überzeugen. Sie können so unkommentiert oft noch keine wirkliche Entscheidungsgrundlage bilden. Der Mehrwert für die Projekte und im Ergebnis das Unternehmen werden noch nicht direkt sichtbar.

Webstandards in Unternehmenssprache

In jüngster Zeit gab es hierzu einen sehr gelungenen, sehr prägnanten Text: Webstandards für Entscheider. In wenigen Sätzen schafft es der Autor Oliver Schwarz auf für Unternehmen relevante Aspekte zu übertragen. Nach der Lektüre des Textes ist man dazu geneigt zu sagen: War’s das schon? Ja. Es trifft den Punkt. Mit dieser Vorlage sollte es um ein vielfaches einfacher sein, Chef oder Chefin davon zu überzeugen, dass ein an Webstandards orientierter und sinnvoll verwendeter Quellcode - z.B. bei der Erstellung von CMS-Templates - die technische Basis für qualitativ hochwertige und zugängliche Websites bildet. Ein weiterer gedanklicher Transfer auf das konkrete Unternehmen vorausgesetzt.

Projekte, die über das Thema Webstandards auch für Unternehmen und Kunden transparenter berichten sind beispielsweise die Webkrauts und Webstandards-Spezialisten in Deutschland. Die Webkrauts sind eine Vereinigung von Webdesignern mit umfangreichem Wissen auf dem Gebiet von Webstandards und Barrierefreiheit. Das Ziel ist es, vor allem Aufklärungsarbeit zu leisten und die Unterstützung von Webdesignern und -entwicklern. Webstandards-Spezialisten in Deutschland erleichtert den Einstieg in die Thematik. Dort finden Interessierte Links zu Websites, Agenturen, Literatur etc., die für praktizierte Webstandards stehen.

Rüstzeug zur Überzeugungsarbeit

Sieht man sich in der Praxis um, ist eines ganz klar. Ohne ein gutes Stück Überzeugungsarbeit kann es passieren, dass eben nichts passiert. Die oben gelisteten Artikel - inkl. ihrer erweiternden Links - liefern Webdesignern das nötige Rüstzeug, entsprechende Entscheidungsvorlagen zu erarbeiten.

Aus den Inhalten dieser Texte lassen sich hilfreiche Infomaterialien zusammenstellen, die anderen einen schnellen Überblick verschaffen können. Die Entscheidung kann dann nur lauten: Wir werden was tun.

Fortsetzung

Wurde die Überzeugungsarbeit geleistet und ist die Motivation zum Umdenken da, warten eine Reihe von weiteren Herausforderungen. Es geht ans Eingemachte, die praktische Umsetzung. Dazu gehören die Planung evtl. notwendiger Workshops und deren Durchführung. Auf der, so zu schaffenden, erweiterten Wissensbasis geht es dann darum, die aktuelle Situation zu analysieren und die nötigen Maßnahmen im Bereich Webdesign- und -entwicklung einzuleiten. Die Erarbeitung von Qualitätssicherungsprozessen gehört ebenfalls dazu. Teil 2 der Serie wird Methoden und Tools vorstellen, die dazu geeignet sind, Websites gezielt zu analysieren und die Qualität zu sichern.

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12 Antworten

  1. mätthi am Jun 2, 2006 | Reply

    Echt guter Beitrag!!!!
    Kompliment!

  2. Markus Petschenig am Jun 2, 2006 | Reply

    Wirklich ein gut aufbereiteter und formulierter Artikel, der einen für Webdesigner und -entwickler wichtigen Punkt, die Überzeugungsarbeit, heraushebt und zum Nachdenken anregt.

    Eventuell könnte man noch zu den erwähnten englischen W3C-Spezifikationen (XHTML 1, CSS 2.1) , deutsche Übersetzungen als Ergänzung anbieten.

    XHTML 1.0
    CSS 2

  3. Lothar B. Baier am Jun 3, 2006 | Reply

    Danke für den guten Artikel. Argumente für Entscheider sind die eine Seite. Wichtig für die Akzeptanz der Webstandards in der Zukunft ist aber auch die Seite der Ausbildung. Noch lehren in DE zu viele Leute den Umgang mit Frontpage, Netobjects Fusion etc. Wenn sich die Webstandards durchsetzen sollen, dann müssen sie zuerst einmal gelehrt werden.

  4. molily am Jun 3, 2006 | Reply


    Wirklich standardkonformer (X)HTML-Code ist die Kombination aus validem (X)HTML einerseits und seinem sinnvollen Einsatz andererseits.

    Scharf beobachtet - das ist schon eine schwierige Neudefinition des Wortes »standardkonform«. Man muss immer dazu sagen, dass die Bezeichnung strenggenommen irreführend ist. Es geht vor allem um den sinnvollen Einsatz, der im Standard höchstens angelegt ist. Das ist sehr wichtig und fällt bei manchen Artikeln zum Teil unter den Tisch.

  5. Kaiuwe am Jun 4, 2006 | Reply

    Ich lese immer etwas von den Arbeiten der “Webkrauts”. Wie sehen denn diese konkret aus?

  6. Markus Petschenig am Jun 4, 2006 | Reply

    Ich denke mir mal, dass aufgrund anderweitiger, sicherlich auch zeitraubender, Beschäftigungen und Interessen die Weiterarbeit an den Webkrauts teilweise etwas zurückgeschraubt wird bzw. werden muss. Im Vordergrund stehen natürlich private Projekte, denn die Initiative “Webkrauts” dient ja im Endeffekt nur der Bündelung? Man könnte ja sagen, dass die Artikel, die auf webkrauts.de publiziert werden, nur die Arbeit der einzelnen Webkrauts, auf ihren persönlichen Seiten, bekräftigen und unterstreichen soll.

    Die von mir getroffenen Aussagen, die nicht der Wahrheit entsprechen, bitte ich sofort zu korrigieren.

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